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Bericht zur Tagung – „Reflexion und Handlung“ (02.-03.07.2021)

Bericht zur Tagung – „Reflexion und Handlung“

Am 2. und 3. Juli 2021 wurde die 4. Internationale Tagung der Philosophiedidaktik als Online-Tagung durchgeführt, organisiert von Prof. Dr. Christian Thein (WWU Münster) und Prof. Dr. Philipp Richter (Ruhr-Universität Bochum), Das Tagungsformat wurde bereits 2016 an der Goethe-Universität in Frankfurt etabliert, die letzten beiden Tagungen wurden 2017 an der KU Eichstätt-Ingolstadt und 2018 an der Universität zu Köln unter regem Interesse durchgeführt. Für die vierte Tagung am Philosophischen Seminar der WWU Münster wurde bereits in 2019 zum Thema „Reflexion und Handlung – Schlüsselkategorien der Philosophiedidaktik im Konflikt?“ aus zahlreichen Bewerbungen eine Auswahl von Vorträgen getroffen, die sich aus philosophischen, fachdidaktischen und unterrichtspraktischen Perspektiven an einer Verhältnisbestimmung der Begriffe versuchen und hierbei auch Fragen der Ausbildung angehender Lehrkräfte fokussieren. Aufgrund der veränderten Lage in 2020 wurde die Tagung um ein Jahr verschoben und fand nun unter digitalen Bedingungen am ersten Juliwochenende statt. Nach Aufnahme der GPED ins Vereinsregister im Frühjahr 2021 wurde das einschlägige und etablierte Tagungsformat mit Forschungsfokus zudem erstmalig auch in Kooperation mit der Gesellschaft durchgeführt.

Die Vorträge und Diskussionen in den einzelnen Panels dieser Tagung wurden von den zahlreichen Gästen und Teilnehmenden als sehr produktiv und sachlich intensiv eingeschätzt. Das wurde in den Austauschformaten in großer Runde deutlich. „Die Diskussionen waren fachlich tief und auch kontrovers, aber es herrschte die ganze Zeit eine offene, wohlwollende Diskussionskultur“, erklärte in einer Feedbackrunde beispielsweise Katrin Schneider, Doktorandin in der Philosophiedidaktik. Die Pluralität der Forschungspositionen und die Offenheit gegenüber unterschiedlichen Forschungswegen zu würdigen und zu bewahren ist ein wichtiges Anliegen der Gesellschaft für Philosophie- und Ethikdidaktik, wie der Vorsitzende Philipp Richter bei der öffentlichen Vorstellung der GPED im Rahmen der Tagung ausführte.

Es wurde im Rahmen der Vorträge zum einen herausgearbeitet, dass das Reflektieren als einer philosophiedidaktischen Schlüsseltätigkeit und Untersuchungsmethode sowie Vollzugsform der gedanklichen Aktivität im Fachunterricht einer Entäußerung durch sprachliche und performative Ausdruckshandlungen in einen gemeinschaftlichen Raum der Gründe bedarf, um als solches praktiziert werden zu können. Hierbei wurden verschiedene Aktivierungsformen für Schüler/innen auf analogem und digitalem Wege vorgestellt und diskutiert, die sowohl partizipative und kommunikative Formen als auch Selbstbetätigungsfelder in den Fokus rücken. So stellte Gregor Hochstetter (Tübingen) verschiedene Kooperationsformen für die Anregung kreativer Wege der Problembearbeitung im Unterricht vor. Michael Hoffmann (Georgia Tech, USA) präsentierte mit der Plattform Reflect! eine theoretisch fundierte und praktisch erprobte, digitaltechnische Möglichkeit zur Vernetzung und Koordination kooperativer Lernprojekte zu Fragen der anwendungsbezogenen Ethik.

Vor dem Hintergrund pragmatistischer Überlegungen nach Dewey und Peirce entwickelte Klaus Feldmann (Wuppertal) das philosophiedidaktische Konzept der core practices, die einerseits gelernt und andererseits als unterrichtsmethodische und bildungstheoretische Ziele verstanden werden, ohne dass sie mit Kompetenzen und Lernzielen gleichgesetzt werden können. Die spezifische Verbindung von Reflektieren und Tun im Begriff der Handlung erörterte Jens Kertscher (Darmstadt) und entwickelte mit Elizabeth Anscombe das Konzept eines normativ-deskriptiv gemischten, praktischen Wissens.

Ebenso wurden übergreifende fachdidaktische Fragestellungen erörtert, die beispielsweise eine kritische Aufarbeitung philosophischer Kanons betreffen, unter Gesichtspunkten feministischer oder postkolonialer Perspektivierungen. Hierbei fokussierte Bettina Bussmann (Salzburg) kritisch die gängigen unterrichtspraktischen Umgangsweisen mit wissenschaftstheoretischen Themen und Autoren und zeigte Forschungsdesiderate in diesem Bereich auf. Im Rahmen dieses Themenstranges wurden in den Vorträgen von Philipp Thomas (Weingarten) und Hannah Holme (Frankfurt) bildungsphilosophische und unterrichtspraktische Perspektiven erörtert, die gängige Rationalitätsparadigmen kritisch reflektieren und alternative Denkwege im Umgang mit philosophischen Gegenständen vorschlagen. 

Die Beiträge der Tagung werden in einem Sammelband veröffentlicht.

 – der Vorstand der GPED